'Die Situation der Brauwirtschaft ist dramatisch' - DBB zieht Bilanz des Krisenjahres 2020 und fordert wirksame Hilfen

Die Corona-Pandemie im Jahr 2020 hat in der deutschen Brauwirtschaft zu massiven Einbußen geführt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden 2020 insgesamt 8,7 Milliarden Liter Bier abgesetzt und damit so wenig wie noch nie seit Reform der Statistik 1993. Im Vergleich zum Vorjahr war dies ein Rekordabsatzminus von 5,5 Prozent. „Die Situation der Brauwirtschaft ist dramatisch und in der Nachkriegszeit ohne Beispiel“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Holger Eichele, in Berlin.

Kessel in einem Sudhaus
© Deutscher Brauer-Bund e.V., Kessel in einem Sudhaus
04.02.2021
Quelle:  Firmennews

Die Krise der Braubranche ist weitaus tiefer als die jüngsten Absatz-Zahlen auf den ersten Blick vermuten lassen. Denn nach einer Umfrage des Deutschen Brauer-Bundes erlitten die Brauereien im Krisenjahr 2020 ein Umsatz-Minus von im Mittel 23 Prozent. „Der mehrmonatige Lockdown der Gastronomie, das Verbot von Veranstaltungen und der Kollaps wichtiger Auslandsmärkte hat die Brauwirtschaft schwer getroffen“, so Eichele. Mit den Lockdowns und dem dadurch ausgelösten Zusammenbruch des Fassbiermarktes hätten Brauereien „von einem Tag auf den anderen einen großen Teil ihrer wirtschaftlichen Basis verloren“. Ware im Millionenwert sei bereits vernichtet worden. „Je größer das Gastronomie- und Veranstaltungsgeschäft einer Brauerei, desto verheerender die finanziellen Verluste. Während einige Unternehmen, die ihre Biere überwiegend im Handel und nur zu einem geringen Teil in der Gastronomie absetzen, deutlich besser durch die Krise kommen, beklagen die anderen Betriebe massive und oftmals existenzbedrohende Umsatzeinbrüche, die in einzelnen Fällen bis zu 70 Prozent betragen.“

82,6 Prozent des gesamten Bierabsatzes im Jahr 2020 waren laut Statistischem Bundesamt für den Inlandsverbrauch bestimmt und wurden versteuert. Hier sank der Absatz ebenfalls um 5,5 Prozent auf 7,2 Milliarden Liter. Steuerfrei – als Exporte und Haustrunk für Brauerei-Mitarbeiter – wurden 1,5 Milliarden Liter Bier abgesetzt und damit fast sechs Prozent weniger. Betrachtet man die Exporte, gingen 778,2 Millionen Liter (-13,1 %) in EU-Staaten und 725,3 Millionen Liter (+3,7 %) in Nicht-EU-Staaten.

Geschlossene Bars und Restaurants, abgesagte Feste und sonstige Großveranstaltungen sorgten laut Statistik besonders in den Monaten April (-17,3 %) und Mai (-13,0 %) für einen starken Rückgang beim Bierabsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In den Sommermonaten kam es aufgrund der gelockerten Beschränkungen zu einer leichten Erholung des Marktes, jedoch blieb der Gastronomieabsatz insgesamt deutlich unter den Erwartungen. Die wieder verschärften Corona-Auflagen ließen den Biermarkt ab Herbst 2020 erneut einbrechen. Allein im November wurde im Vergleich zum Vorjahresmonat 14,1 % weniger Bier abgesetzt.

Der Bierabsatz in Deutschland geht seit Jahren kontinuierlich zurück. Seit 1993 – dem Jahr des Inkrafttretens der Neufassung des Biersteuergesetzes – hat sich die Menge des abgesetzten Bieres insgesamt um 2,5 Milliarden Liter oder 22,3 % verringert. Lag der Pro-Kopf-Konsum von Bier in Deutschland 1980 noch bei 146 Litern, sank er 2020 auf rund 87 Liter. Nicht eingerechnet sind alkoholfreie Biere, die in Deutschland mittlerweile einen Marktanteil von sieben Prozent erreichen.

Der Deutsche Brauer-Bund als Dachverband der Brauwirtschaft kritisierte angesichts der schwierigen Lage vieler Betriebe die unzureichenden Hilfsprogramme von Bund und Ländern. Für die Gastronomie seien weitreichende Hilfsmaßnahmen entwickelt worden – die 1.500 überwiegend handwerklichen und mittelständischen Brauereien als indirekt Betroffene gingen jedoch, bis auf wenige Ausnahmen, leer aus. „Wir sprechen von Betrieben, die sich oft schon seit Generationen im Familienbesitz befinden, die Weltkriege, Wirtschafts- und Währungskrisen überstanden haben – und nun völlig unverschuldet vor dem Aus stehen, weil sämtliche Rücklagen aufgebraucht sind“, so Holger Eichele. „Von Woche zu Woche geraten mehr Brauereien unverschuldet in existenzielle Not. Wenn Bund und Länder hier nicht gezielt und entschieden gegensteuern, droht vielen Brauereien die Insolvenz. Die Betriebe brauchen dringend Hilfe und eine Perspektive.“ 

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