Zielwasser trinken: Bedeutung und Ursprung der Redensart
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Die Redensart "Zielwasser trinken" ist ein fester Bestandteil der deutschen Umgangssprache und wird häufig scherzhaft verwendet, wenn jemand ein Ziel verfehlt hat. Doch woher stammt dieser Ausdruck und was bedeutet er eigentlich genau? In diesem Artikel beleuchten wir den Ursprung und die Bedeutung dieser volkstümlichen Redewendung.
Was bedeutet die Redensart "Zielwasser trinken"?
Die Redewendung "Du solltest besser Zielwasser trinken" wird üblicherweise dann verwendet, wenn jemand bei einer zielgerichteten Tätigkeit nicht trifft. Sie drückt auf humorvolle Weise aus, dass die Zielgenauigkeit der angesprochenen Person zu wünschen übrig lässt. Ob beim Dart, Kegeln, Schießsport oder sogar im übertragenen Sinne bei Diskussionen – die Aufforderung, Zielwasser zu trinken, impliziert, dass dadurch die Treffsicherheit verbessert werden könnte.
Der historische Ursprung: Soldaten- und Jägersprache
Das "Zielwasser" hat seinen Ursprung in der Soldatensprache um 1900 sowie in der Jägersprache. Historische Quellen wie Paul Horns "Die deutsche Soldatensprache" von 1899 und Otto Ernst Maussers "Deutsche Soldatensprache" von 1917 belegen, dass mit Zielwasser ursprünglich Schnaps gemeint war. Dieser sollte die Treffsicherheit eines Schützen erhöhen.
In der Jägersprache wurde der Begriff ähnlich verwendet. Hier bezeichnete "Zielwasser" oder auch "Visierwasser" ebenfalls alkoholische Getränke, die vor dem Schießen konsumiert wurden. Der Alkohol sollte das Zittern der Hände reduzieren und so zu einer ruhigeren Hand beim Zielen führen.
Wasser oder Alkohol? Die Wahrheit über das Zielwasser
Entgegen der landläufigen Meinung handelt es sich beim historischen Zielwasser also nicht um Wasser, sondern um Schnaps oder andere alkoholische Getränke. Die medizinische Forschung bestätigt sogar, dass Alkohol in geringen Mengen tatsächlich das Zittern der Hände hemmen kann, wie in pharmakologischen Fachbüchern dokumentiert ist.
Interessanterweise gibt es jedoch auch gegenteilige Überlieferungen: Der Schriftsteller Hans-Caspar von Zobeltitz behauptet in seinem Werk "Das Alte Heer" (1931), dass in der preußischen Armee bis 1918 an Schießständen tatsächlich Wassereimer mit Kellen bereitstanden. Aus diesen wurde den Schützen vor dem Schießen Wasser zum Trinken verabreicht – also tatsächlich Wasser statt Alkohol.
Die Redensart heute
Heute wird die Redewendung "Zielwasser trinken" hauptsächlich im übertragenen, scherzhaften Sinne verwendet. Sie hat sich vom militärischen und jagdlichen Kontext gelöst und ist in die Alltagssprache übergegangen. Besonders bei Freizeitsportarten wie Dart, Kegeln oder Billard hört man den Ausdruck häufig, wenn jemand daneben trifft.