Die MIXOLOGY Bar Awards 2027 finden nicht statt

Eine Entscheidung ist gefallen: Die MIXOLOGY Bar Awards werden dieses Jahr nicht stattfinden. Die Preise werden auch nicht anderweitig vergeben. Aber die „Oscars der Barszene“ werden nächstes Jahr zurückkommen. Ein erklärendes Statement von Chefredakteur Nils Wrage.

Die MIXOLOGY Bar Awards 2027 finden nicht statt
© Meininger Verlag GmbH
02.07.2026
Quelle:  Firmennews

Es gibt Entscheidungen, die man ungern fällt. Um so eine geht es hier und heute. Nach sorgfältiger Überlegung hat die Geschäftsführung des Meininger Verlags entschieden: Die MIXOLOGY Bar Awards 2027 werden abgesagt. Natürlich tragen wir als Redaktion diese Entscheidung mit. Der Festsaal Kreuzberg wird am Abend des 11. Oktober – entgegen der Vorberichterstattung unserer neuen Ausgabe – still und dunkel bleiben. Wir müssen uns also bis nächstes Jahr gedulden.

Der Grund dafür ist schlicht: Es geht um Geld. Eine Veranstaltung wie unsere Awards kostet viel Geld. Sehr viel Geld. Geld übrigens, das nur zu einem geringen Anteil durch den Verkauf der Tickets zusammenkommt. Nein, das Budget für unsere Awards kommt wie bei allen gängigen Formaten dieser Art zustande durch Sponsoren. Jeder Sponsor, der bei unseren Awards als Partner in Erscheinung tritt, zahlt dafür eine hohe Summe. Eine hohe, aber aus unserer Sicht angemessene Summe; und eine, die auch lange funktioniert hat. Bis jetzt.

Die seit Jahren enge, immer komplizierter werdende wirtschaftliche Lage geht auch an unseren Awards nicht vorbei. Vorletztes Jahr war es schwierig, ansatzweise ausreichend Partner für die Awards zu gewinnen. Letztes Jahr war es noch schwieriger – obwohl die beiden Verleihungen der jeweiligen Jahre fantastisch waren und wir fast auschließlich positives bis begeistertes Feedback erhalten haben. Sogar das Essen war gut!

Dieses Jahr jedoch ist der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr funktioniert. Es ist ein Punkt, den man mit folgendem Szenario vergleichen kann: Man setzt einen richtig guten Cocktail für 15 Euro auf die Karte und weiß, dass die Gäste ihn lieben werden. Das Problem: Allein der Wareneinsatz beträgt 20 Euro. So einen Cocktail setzt kein Mensch auf die Karte. Ungefähr so verhält es sich dieses Jahr mit unseren Awards.

In den Gesprächen, die unsere Kolleg:innen, die mit der Vermarktung der Awards beschäftigt sind, mit potenziellen Partnern führen, hat sich vor allem dieses Jahr folgende Antwort sinngemäß gehäuft, und zwar sowohl von langjährig-treuen als auch von möglichen neuen Kunden: „Wir würden so gerne mitmachen. Aber wir können dieses Jahr nicht.“ Das ist fair und aufrichtig, wir machen niemandem einen Vorwurf. Von den Traumbudgets der Prä-Covid-Ära träumen langgediente Brand-Manager:innen höchstens noch nach ein paar Drinks. Wenn das Ende der Fahnenstange für den Moment erreicht ist, dann ist das eine Tatsache, mit der alle leben müssen. Doch es ist dann auch der Moment, in dem wir analog die Aussage der vielen nicht vorhandenen Partner spiegeln müssen: „Wir würden die Awards so gerne machen. Aber wir können dieses Jahr nicht.“

Deshalb ist hier mein wichtigster Wunsch, dass man uns die Absage der diesjährigen Awards nicht als Akt von Missgunst auslegt. Es ist eine rein betriebswirtschaftliche Entscheidung, getroffen aus unternehmerischer Verantwortung.

Mehr als eine Trophäe
Natürlich haben wir uns die Frage gestellt, ob man die Awards auch auf alternativem Wege vergeben könnte – schließlich liegt das Voting durch den Jury-Beirat ja vor. Doch für uns war schnell klar: Die Preise, die wir vergeben, gehören auf eine echte Bühne, auf eine laute, bunte, fröhliche Veranstaltung, bei der sich Menschen treffen, gemeinsam feiern und die Gewinner:innen bejubeln. Die Fotos der Verleihung zeigen alljährlich, dass es nicht einfach um eine Trophäe geht, die später irgendwo in einer Bar steht. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass unsere Awards entweder richtig stattfinden oder gar nicht. Alles andere würde für die Sieger:innen die Gefahr bergen, dass dieser Jahrgang rasch den Beigeschmack eines Trostpreises bekommt. Und schließlich lieben auch wir diesen Abend. Er ist für uns der Höhepunkt im Jahr, auf den wir monatelang hinarbeiten. Es sind keine Awards, wenn wir eine Woche lang durch die Gegend fahren und Pokale an Menschen übergeben, denen niemand applaudiert. Oder noch schlimmer: wenn wir Pokale in Kartons verpacken und wortlos verschicken.

Das ist schade für den Jury-Beirat, der sich Zeit genommen hat, um sein Voting abzugeben. Schade natürlich für jene wenigen Partner, die uns für dieses Jahr bereits zugesagt hatten. Schade für großartige Bars und Barleute, die dieses Jahr nicht durch Nominierungen oder Auszeichnungen gewürdigt werden können. Ganz besonders schade für die Kandidaten in der Kategorie „Neue Bar des Jahres“; ein Preis, der uns besonders am Herzen liegt, weil er jene mutigen Menschen aufs Tableau holt, die sich – oft zum ersten Mal – an das Wagnis namens eigene Bar trauen. Vielleicht werden diese Bars im nächsten Jahr bereits als „Bar des Jahres“ nominiert werden. Denn wir hoffen natürlich, dass die Awards dann wieder stattfinden werden. Das möglich zu machen, wird unsere wichtigste Aufgabe des kommenden Jahres sein. Dazu gehört natürlich auch, zu hinterfragen, was wir an den Awards verändern müssen, um sie zukunftsfest zu machen.

Im Moment aber müssen wir akzeptieren, dass der Abend vor dem BCB dieses Jahr sehr ruhig sein wird.

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